Damenverbindungen

Gestern

Die erste Damenverbindung (Verein Studierender Frauen Deutschlands Hilaritas) wurde 1899 im Köln-Bonner Raum gegründet. Grund für die späte Gründung der Damenverbindungen war die fehlende Möglichkeit, ein Hochschulstudium zu absolvieren. Selbst für höhere Töchter endete die Schulpflicht mit 14 Jahren. Zur Reifeprüfung oder gar für eine  akademische Laufbahn waren Frauen grundsätzlich nicht zugelassen. Während die meisten Frauen der Unter- und Mittelschicht ihren Männern bildungsmäßig weitgehend gleichgestellt waren, strebten die „höheren Töchter“ des Bürgertums bald nach Gleichberechtigung.

Beseelt durch die Ideen der Aufklärung und begeistert von den Idealen Freiheit und Recht versammelten sich politisch denkende Frauen erstmals in Vereinen und unterstützten die Revolutionäre von 1848 in Wort und Tat. Der Zugang der Frauen zur universitären Bildung zählt für Frauen neben dem Wahlrecht zu den wichtigsten, und auch am schwersten erkämpftesten Bürgerrechten.

Die erste Möglichkeit für Frauen, die Reifeprüfung abzulegen, erfolgte 1892 in Preußen. Ein reguläres Studium war auch weiterhin nicht möglich. An den Universitäten Heidelberg und Leipzig wurden ab 1871, in Berlin und Göttingen ab 1895 Frauen als Gasthörer aufgenommen, ein Erlass aus dem Jahre 1896 regelte die Gasthörerschaft im gesamten Deutschen Reich, allerdings war die Hörerschaft von der Einwilligung des jeweiligen Dozenten abhängig. Erst zur Jahrhundertwende zum zwanzigsten Jahrhundert wurden Frauen auch als ordentliche Hörer für einzelne Studienrichtung zugelassen. 1920 erhielten die Frauen das Habilitationsrecht.

An der Eberhard Karls Universität Tübingen durfte 1892 Maria Gräfin von Linden-Aspermont als erste Studentin Württembergs Vorlesungen besuchen. Sie erhielt 1895 als erste Frau in Deutschland den Titel Scientiae Naturalis Doctor.

Schon in den ersten Jahren der Zulassung zum Studium gründeten Frauen eigene Studentenverbindungen: Nach der Frauen, der Verein Münsterscher Studentinnen (1910), der Verein immatrikulierter Studentinnen Leipzig (1905) sowie die Organisation der Studentinnen (1907) gegründet. Bei der 100-Jahr-Feier der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (heute: Humboldt Universität Berlin) im Jahre 1910 chargierten Mitglieder von Damenverbindungen bei der Universitätsfeier. In den 1920er Jahren existierten bereits rund 100 Damenverbindungen, die sich bald zu Dachverbänden zusammenschlossen. Der Anteil der korporierten Frauen an den Universitäten war damals bedeutend höher als heute.

Genauso wie die männlichen wurden auch die weiblichen Studentenverbindungen in der NS-Zeit gleichgeschaltet bzw. verboten. Dieses Verbot blieb auch unter der alliierten Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg aufrecht.  Im Gegensatz zu den meisten Männerbünden überlebten die bestehendenDamenverbindungen dieses Verbot nicht.

Heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich nur wenige Damenverbindungen aus der Vorkriegszeit wieder, sie hatten alle nur wenige Jahre Bestand. Erst 1987 wurde eine Studentinnenverbindung erfolgreich reaktiviert: der Verein Grazer Hochschülerinnen VGH (ehemals Verein deutscher Hochschülerinnen in Graz, gegründet 1912) gilt somit als die älteste noch bestehende Damenverbindung. Die erste erfolgreiche Neugründung einer Studentinnenverbindung erfolgte 1976 in Münchberg durch die textile und technische Damenverbindung Ferra Floris zu Münchberg & Hof.

Ab den 1980er Jahren erfolgten vermehrt Neugründungen, wie zum Beispiel die AV Merzhausia Freiburg i. Br. Und die VBSt Lysistrata Berlin.

In den vergangenen Jahren entwickeln sich nunmehr viele weitere Damenverbindungen, wie unser liebe befreundete Verbindung ADV Athena zu Münster 2011. Die ADV Olympea Tübingen wurde am 07. Mai 2012 (zum 264. Geburtstag Olympe de Gouges) gegründet.

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